Filmnotizen
Nach wiederum einjähriger
Schaffenspause, die jedoch größtenteils für die Vorbereitungen draufging,
fiel im August 1998 die erste Klappe zu unserem bis dato größten und aufwändigsten
Projekt BODYCOUNT – DIE KLASSE VON 1999. Bereits im Herbst 1997 haben wir
über eine Wunschsendung in (damals noch) SWF 3 viele Darsteller gecastet,
so dass sich im Sommer darauf eine illustre Truppe Jungdarsteller aus ganz
Deutschland zusammenfand, um 2 Wochen lang im Hermann Hesse-Gymnasium zu
Calw zu hausen und den Versuch zu starten, einen Spielfilm zu drehen. Neben
der für unsere Verhältnisse doch sehr außergewöhnlichen Casting-Aktion
war der Dreh zu BODYCOUNT jedoch in anderer Hinsicht als Novum zu betrachten:
erstmals haben wir professionelles Equipment in Form von Polizeiautos usw.
gemietet, erstmals haben wir einen professionellen Stuntman eingesetzt,
erstmals wurde auf Mini-DV gedreht und erstmals wurde das Produktionsbudget
in solch lichte Höhen geschraubt, dass Cossy sogar versucht hat, Fördergelder
zu beantragen.
Die Erfahrung, mit einer Crew von ca. 30 Leuten für zwei
Wochen auf engstem Raum Tag und Nacht zu verbringen, war sehr intensiv und
(zumindest für die meisten Darsteller) auch äusserst amüsant, für mich als
Regisseur waren es jedoch die bis heute härtesten Wochen meines Lebens,
die mich wirklich ganz nahe ans Aufhören gebracht haben. Nichtsdestotrotz
war der Film aufgrund des Themas und des Schauplatzes vor allem bei den
jugendlichen Zuschauern ein Riesenerfolg.

Story
Mark und seine Clique teilen eine Leidenschaft: Gotcha – so heisst ein Survivalspiel mit Farbmarkierungspistolen, das die Schüler mit Vorliebe in den Gängen
des Hermann Hesse-Gymnasiums in Calw spielen. Als eines Tages skrupellose Gangster bei ihrem Ausbruch aus dem Calwer Gefängnis einen Zwischenstop in der vermeintlich verlassenen
Schule machen und Marks Klasse unversehens Opfer einer Geiselnahme wird, besinnen sich die Schüler auf ihre Kämpferqualitäten und drehen den Spiess um. Plötzlich
wird der Abenteuerspielplatz Schule zum Kriegsschauplatz...

Selbstkritik
BODYCOUNT setzte in puncto Aufwand neue Maßstäbe – auch für alle folgenden Projekte. Besonders beim jugendlichen Publikum kam der Streifen auch phänomenal an, kein Wunder, stellt das Drehbuch doch die Verfilmung vieler Pennälerträume dar: welcher Schüler würde nicht gerne mal die angebetete Klassenkameradin aus den Klauen eines fiesen Geiselgangsters befreien. Allerdings war das uns selbstauferlegte Pensum in der vorgegebenen Zeit gar nicht zu schaffen, weshalb man einige qualitative Abstriche am Endergebnis machen muss. Nichtsdestotrotz bis heute ein Highlight.
